Diese Fähigkeit zeugt von einer besonders ausgeprägten mentalen Repräsentationsfähigkeit, die der des Menschen relativ nahe kommt.
VÖGEL ÜBERRASCHEN FORSCHER
Tauben sind seit Langem ein beliebtes Tiermodell in der vergleichenden Psychologie. Experimente, insbesondere von Robert G. Cook, haben gezeigt, dass sie lernen können, Fotografien von Bäumen, Menschen oder sogar Gemälden von Claude Monet und Pablo Picasso zu unterscheiden.
Es wäre jedoch übertrieben zu schlussfolgern, dass sie diese Bilder wirklich verstehen. Forscher glauben vielmehr, dass sie allmählich lernen, bestimmte Konfigurationen von Formen, Farben oder Kontrasten zu erkennen, die mit einer Futterbelohnung verbunden sind. Sie identifizieren visuelle Muster viel eher, als dass sie die Bedeutung der Szene interpretieren.
Auch Fotografie ist eine kulturelle Konvention.
Die Kunstgeschichte lehrt uns, dass das Lesen von Bildern erlernt werden muss. Zahlreiche Arbeiten der visuellen Anthropologie, insbesondere die von John Alfred Hudson, haben gezeigt, dass Bevölkerungsgruppen, denen die westliche Perspektive fremd war, bestimmte Fotografien oder Zeichnungen anders interpretierten.
Was wir für selbstverständlich halten, ist zum Teil das Ergebnis kultureller Prägung.
Wenn Menschen bestimmte Darstellungskonventionen erst entschlüsseln lernen müssen, ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Tiere sie nicht spontan beherrschen.
Eine offene Frage:
Schließlich ist Vorsicht geboten. Wir können einen Hund oder ein Pferd natürlich nicht fragen, was es von einem Foto hält. Alle Forschung basiert daher auf der Beobachtung von Verhalten.
Dennoch kann ein Tier ein Bild erkennen, ohne sichtbar zu reagieren, genauso wie es stark auf ein Foto reagieren kann, nur weil es einen hohen Kontrast oder eine bestimmte Form aufweist. Forscher entwickeln heutzutage immer ausgefeiltere Protokolle, um diese Verzerrungen zu vermeiden, doch viele Fragen bleiben offen.
Fazit:
Sehen Tiere also Fotos? Ja, wenn wir von visueller Wahrnehmung sprechen. Ihre Augen erfassen Formen, Kontraste und manchmal Farben.
Andererseits gibt es keine Hinweise darauf, dass die meisten Tiere verstehen, dass ein Foto ein abwesendes Objekt oder Individuum darstellt. Menschenaffen scheinen zu einer solchen mentalen Repräsentation fähig zu sein, bestimmte Vögel können lernen, komplexe Bilder zu unterscheiden, während Hunde und Katzen sich hauptsächlich auf andere Sinnesinformationen wie Gerüche oder Bewegungen verlassen.
Letztlich erinnert uns diese Frage daran, dass das, was einem Fotografen selbstverständlich erscheint – die Welt auf einem Blatt Papier oder einem Bildschirm sofort zu erkennen – in Wirklichkeit eine der bemerkenswertesten kognitiven Konstruktionen des menschlichen Gehirns ist.
SEHEN DIE TIERE DIE FOTOS, DIE WIR IHNEN ZEIGEN?
