Als wir klein waren, habe ich sie vergöttert. Wenn sie tanzte, wollte ich tanzen. Wenn sie rannte, wollte ich rennen. Wenn sie eine Medaille gewann, umarmte ich sie und sagte ihr, wie toll sie sei.
Aber Fernanda wollte nie eine kleine Schwester.
Sie wollte eine Rivalin, die sie besiegen konnte.
Als ich zwölf war, kauften mir meine Eltern ein pinkes Fahrrad mit Glitzer am Lenker. Es war genau das Fahrrad, das sich Fernanda Jahre zuvor gewünscht hatte. Ich war so aufgeregt, dass ich sofort in ihr Zimmer rannte und fragte, ob sie es zuerst ausprobieren wolle.
Sie lächelte lieb.
„Na klar, kleine Schwester.“
Dann fuhr sie damit auf die Straße und warf es genau in dem Moment zu Boden, als ein Lieferwagen vorbeifuhr.
Das Fahrrad war völlig zerstört.
Fernanda betrachtete das zerbrochene Metall, dann mich und sagte: „Jetzt wirst du lernen, dass man nicht alles behalten kann, was man will.“
Danach lernte ich, meine Freude zu verbergen.
Ich verbarg meine Noten.
Ich verbarg meine Auszeichnungen.
Ich verbarg meine Träume.
Aber der Brief von der Universität kam an, bevor ich nach Hause kam, und ausnahmsweise konnte ich die Wahrheit nicht verbergen.
Da kam Fernanda mit einem Kopftuch, aufgemalten Schatten unter den Augen, blassem Lippenstift und einem Ordner voller medizinischer Unterlagen nach Hause.
„Stadium drei“, flüsterte sie. „Eierstockkrebs.“
Meine Mutter schrie auf.
Mein Vater sank wie gelähmt zu Boden.
Ich stand wie erstarrt da.
Denn einen Monat zuvor hatte ich Fernandas Instagram-Story aus Valle de Bravo gesehen.
Ihr langes Haar wehte im Wind, während sie lachend mit ihren Freundinnen am See Mezcal trank.
Aber niemand stellte Fragen.
Niemand wollte Beweise.
Fernanda legte meiner Mutter eine schwache Hand auf die Schulter und sagte: „Ich muss hierbleiben. Meine Wohnung ist zu weit vom Krankenhaus entfernt. Und ich brauche ein ruhiges Zimmer zum Ausruhen.“
Dann blickte sie direkt auf meine Schlafzimmertür.
Bei Sonnenuntergang waren meine Sachen in schwarzen Müllsäcken.
Nachts schlief Fernanda in meinem Bett.
