Jedes Jahr pflanzte mein Sohn Sonnenblumen für seine Zwillingsschwester – eines Morgens fanden wir alle Blumen bis auf eine abgeerntet vor, an der eine kleine weiße Schachtel hing.

Teil 2: 

Im Inneren befand sich ein Foto von einem Mädchen, das an einem Sonnenblumenfeld am Straßenrand stand. Sie trug ein gelbes, ärmelloses Kleid, ihr Schlüsselbein war im Sonnenlicht frei.

Einen einzigen, unmöglichen Augenblick lang glaubte ich, Lily vor mir zu sehen.

Patrick riss mir das Foto so schnell aus der Hand, dass ich kaum Zeit zum Reagieren hatte. Er starrte es an, ohne zu blinzeln.

„Mama“, flüsterte er. „Das ist sie.“

Hinter dem Foto befand sich ein gefalteter Zettel.

Ich hätte langsamer machen sollen. Ich hätte genauer hinsehen sollen. Aber Trauer kann seltsame Dinge mit dem Verstand anstellen. Ich sah dieses Mädchen, älter und größer, und für einen Augenblick sah ich die Tochter, die ich in meinem Herzen begraben hatte, wieder lebendig werden.

In dem Zettel stand:

„Sie lebt. Bringen Sie 40.000 Dollar, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen.“

Darunter stand eine Telefonnummer.

„Rufen Sie jetzt an.“

Ich habe Patrick nicht daran gehindert, anzurufen. Ich musste auch jemanden Lilys Namen sagen hören.

Er schaltete den Lautsprecher ein, seine Hände zitterten.

Beim zweiten Klingeln meldete sich ein Mann. Seine Stimme war leise und ruhig, fast einstudiert. Er sagte, er wisse, was mit Lily geschehen sei. Wenn wir die Wahrheit erfahren wollten, müssten wir am nächsten Nachmittag vierzigtausend Dollar in bar ins Pine Crest Motel bringen.

Patrick konnte kaum sprechen.

„Geht es ihr gut?“

Der Mann hielt gerade so lange inne, dass die Stille schmerzte.

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