„Beschäftigen Sie sich auch mit Krisen des reifen Alters… und mit Menschen, die sich besonders leicht manipulieren lassen?“
Aleksy sagte es mit einem kaum sichtbaren Lächeln, während die Glut im Grill leise knackte und sein Vater neben uns plötzlich ganz still wurde.
Ich saß auf der Terrasse von Sergiusz, einem Mann, den ich erst seit einigen Wochen kannte, und begriff in diesem Moment, dass dieser Abend nicht so enden würde, wie ich es mir auf der Fahrt hierher vorgestellt hatte.
Meine Bekanntschaft mit Sergiusz hatte sich von Anfang an wie eine ungewöhnliche Fügung angefühlt. Er war Architekt, Witwer, ein beherrschter, intelligenter und kultivierter Mann, der aufmerksam zuhören konnte und mit feinem Gefühl scherzte.
In seiner Nähe fühlte man sich fast unwillkürlich sicher und frei. Einige Tage zuvor hatte er seinen achtundfünfzigsten Geburtstag gefeiert, und obwohl zwischen uns alles noch neu war, wirkte unsere Verbindung ruhig, erwachsen und angenehm.
Nach mehreren herzlichen Treffen schlug er vor, dass ich ein Wochenende in seinem Haus außerhalb der Stadt verbringen sollte. Er wollte den Grill anzünden, Schaschlik vorbereiten und einfach fern vom Lärm des Alltags ausruhen.
Für mich war das ein völlig natürlicher Schritt in der Entwicklung unserer Bekanntschaft. An jenem Tag fuhr ich ohne die geringste Sorge zu ihm, gut gelaunt und mit leichter Aufregung bei dem Gedanken an die gemeinsame Zeit.
Sein Haus sah genau so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Modern, elegant, bis ins kleinste Detail durchdacht und mit außergewöhnlichem Sinn für Ästhetik entworfen.
Der Garten lag voller Grün, und die blühenden Apfel- und Kirschbäume ließen den ganzen Ort wie eine Postkarte wirken.
Sergiusz begrüßte mich sehr herzlich. Er lächelte, half mir aus dem Auto und führte mich auf die großzügige Terrasse.
Für einen Moment dachte ich wirklich, dass hier vielleicht etwas Ruhiges, Reifes und Wertvolles beginnen könnte.
Fast sofort sagte er: „Gleich kommt noch Aleksy. Das ist mein Sohn. Er ist dreißig, wohnt schon allein, aber er schaut oft vorbei, um mir am Haus zu helfen. Ein anständiger Junge. Ich bin sicher, ihr werdet schnell eine gemeinsame Sprache finden.“
Ich nickte ruhig. Das erwachsene Kind eines Mannes kennenzulernen, ist immer ein wichtiger Moment. Oft sagt es über ihn und seine Familie mehr aus als die längsten Gespräche.
Nach etwa dreißig Minuten erschien Aleksy.
Er war groß, sportlich und machte auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Er begrüßte mich höflich, ohne eine Spur offener Unfreundlichkeit, und trotzdem spürte ich beinahe sofort eine schwer erklärbare Spannung.
Es war dieses Gefühl, das entsteht, wenn jemand einen nicht aus reiner Neugier ansieht, sondern als würde er einen prüfen, analysieren und in wenigen Sekunden alle Schwachstellen finden wollen.
Zunächst beschloss ich, dem keine allzu große Bedeutung beizumessen. Schließlich hatte ein Sohn jedes Recht, sich um seinen Vater zu sorgen und jeder neuen Frau in dessen Leben mit Vorsicht zu begegnen.
Wir setzten uns auf die Terrasse. Sergiusz kümmerte sich um das Fleisch am Grill, während Aleksy und ich eine gewöhnliche, höfliche Unterhaltung führten.
Wir sprachen über das Wetter, die Fahrt, Staus und ein paar Ereignisse der letzten Zeit.
Auf den ersten Blick wirkte alles vollkommen normal. Aleksy blieb etwas kühl, erlaubte sich aber keine offene Unhöflichkeit.
Ich meinerseits bemühte mich, ruhig, freundlich und ohne jede Spur von Anspannung zu bleiben.
Nach einiger Zeit kam Sergiusz zu uns, setzte sich dazu, und das Gespräch kam ganz natürlich auf die Arbeit.
Er erzählte mit Interesse von seinem neuesten architektonischen Projekt, und kurz darauf stellte er mich seinem Sohn mit einem Lächeln vor.
„Und unser Gast ist Psychologin“, sagte er. „Sie hilft Menschen, sich selbst besser zu verstehen und mit verschiedenen emotionalen Schwierigkeiten zurechtzukommen.“
Genau in diesem Moment geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.
Aleksy, der bis dahin schweigend seinen Saft getrunken und gelegentlich in den Garten geblickt hatte, drehte plötzlich den Kopf.
Zuerst sah er seinen Vater an. Dann ließ er seinen Blick langsam zu mir wandern.
In diesem Blick lag keine gewöhnliche Neugier.
Ich sah Vorsicht darin, Herausforderung, tiefes Misstrauen und sogar eine Geringschätzung, die er nicht einmal richtig zu verbergen versuchte.
Er schwieg einen Moment, als wollte er absichtlich zulassen, dass Sergiusz’ Worte noch in der Luft hingen.
Dann sagte er mit diesem kaum wahrnehmbaren Lächeln: „Beschäftigen Sie sich auch mit Krisen des reifen Alters… und mit Menschen, die sich besonders leicht manipulieren lassen?“
