„Mama lebt doch nur noch ihre letzten Tage“, sagten meine Kinder, während sie mein Erbe aufteilten. Dann stand mein junger Millionär vor der Tür.

„Verbinden wir die Küche mit dem Wohnzimmer“, sagte Warwara und fuhr mit dem Finger über die Wand, als würde sie im Staub bereits eine neue Linie ziehen.

„Dann machen wir ein Studio daraus. Das ist jetzt modern. So verkaufen wir es teurer.“

Igor, ihr älterer Bruder, nickte und rechnete offenbar schon im Kopf. Er maß die bescheidene Zweizimmerwohnung seiner Mutter mit Schritten aus, als wäre er bereits der rechtmäßige Eigentümer, und bewertete jeden Meter nach dem künftigen Gewinn.

„Zuerst müssen wir sie überreden, dauerhaft auf die Datscha zu ziehen“, sagte er. „Für immer. Wir sagen, die frische Luft dort sei besser für sie. Was soll sie allein in der Stadt? Außerdem können Alena und Alexej nach ihr sehen und sie besuchen.“

Anna Petrowna stand in der Schlafzimmertür und drückte ihren alten, ausgeblichenen Morgenmantel an sich.

Sie versteckte sich nicht. Sie hörte nur zu.

Jedes Wort bohrte sich in sie wie eine dünne, eisige Nadel.

Sie senkten nicht einmal die Stimmen. Sie waren sicher, dass ihre Mutter schlecht hörte oder dass es ihr ohnehin längst gleichgültig war. Als sei sie nur noch ein Teil der Einrichtung, die bald erneuert werden musste.

„Und die Jüngeren?“, fragte Warwara und verzog den Mund. „Alena und Alexej werden wieder ihr Lied vom ‚Nest der Mama‘ und von ‚Papas Andenken‘ singen. Die haben keinen Funken Praktikabilität.“

„Was ist mit ihnen?“, schnaubte Igor. „Sie waren schon immer zu sentimental. Mama lebt doch nur noch ihre letzten Tage. Es ist Zeit, dass sie das begreifen. Sie braucht nichts mehr außer Ruhe und Pflege. Und wir brauchen Geld. Dringend.“

Anna Petrowna hatte solche Worte nicht zum ersten Mal gehört. Aber heute klangen sie wie ein Urteil.

Nicht über sie.

Über sie selbst.

Sie erinnerte sich daran, wie sie ihr vor einem halben Jahr ausgeredet hatten, sich für einen Kurs in Kunstgeschichte anzumelden.

„Mama, wozu brauchst du das? Setz dich ruhig hin und ruh dich aus.“

Sie wollten nicht, dass sie ein eigenes Leben hatte. Es war bequem für sie, in ihr nur den Schatten der Vergangenheit zu sehen.

Aber gerade in diesem Kurs hatte sie Dmitrij kennengelernt.

Sie trat ins Zimmer und hustete leise, aber bestimmt.

Die Kinder drehten sich um, und ihre Gesichter wechselten sofort vom räuberischen Ausdruck zu Masken süßer Fürsorge.

„Mütterchen, warum ruhst du dich nicht aus?“, plapperte Warwara und griff nach ihrer Hand, fest und gepflegt. „Wir haben gerade darüber gesprochen, dass du mehr Zeit an der frischen Luft verbringen solltest.“

„Ich habe alles gehört“, sagte Anna Petrowna sanft, aber fest und zog ihre Hand zurück.

Ihre Stimme klang ruhig. Ohne diesen gewohnten, nachgebenden Ton einer alten Frau.

„Ihr stellt schon die Möbel um. Schnell.“

Igor war für einen Moment aus dem Konzept gebracht, fing sich aber rasch.

„Mama, wir machen uns doch Sorgen um dich. Diese Wohnung braucht Renovierung, Pflege. Wozu brauchst du all diese Mühen? Auf der Datscha ist es still und friedlich.“

Anna Petrowna sah ihren Sohn an.

Zehn Jahre waren seit dem Tod ihres Mannes vergangen. Und in all diesen Jahren hatte sie gesehen, wie ihre älteren Kinder sich in ungeduldige Geier verwandelt hatten, die über ihr kreisten.

Sie warteten.

Sie warteten darauf, dass sie zusammenbrach, erlosch, verschwand und endlich Wohnfläche freigab.

Ihre jüngeren Kinder, Alena und Alexej, riefen jeden Tag an.

Sie fragten nicht nach der Wohnung, sondern nach ihrem Befinden, nach ihren Vorlesungen, nach neuen Bekannten. Sie brachten Lebensmittel mit, keine Immobilienmakler für eine „erste Einschätzung“.

Sie sahen in ihr kein Objekt.

Sie sahen ihre Mutter.

Plötzlich ertönte ein scharfes, entschlossenes Klopfen an der Tür.

„Wen hat sie denn jetzt wieder herbestellt?“, murmelte Igor verärgert und ging in den Flur. „Haben Sie jemanden gerufen?“

„Ja“, antwortete Anna Petrowna, und in ihren Augen blitzte ein schelmisches Funkeln auf, das gar nicht zu ihrem Alter passen wollte.

Sie öffnete selbst.

Auf der Schwelle stand ein großer, elegant gekleideter Mann, kaum älter als vierzig. Er lächelte, und sein Lächeln schien den ganzen Flur zu erhellen.

„Anja, Liebste, bin ich nicht zu spät?“, fragte er und reichte ihr einen prächtigen Strauß Pfingstrosen.

Igor und Warwara erstarrten.

Ihre Kinnladen sanken langsam nach unten.

Der Mann legte Anna Petrowna den Arm um die Schultern, küsste sie an die Schläfe und sah die fassungslosen Kinder an.

„Guten Tag“, sagte er, seine Stimme samtig und doch fest. „Mein Name ist Dmitrij. Ich bin der Ehemann eurer Mutter. Gestern haben wir die Dokumente unterschrieben. Und wie es aussieht, bin ich genau im richtigen Moment gekommen.“

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